Washington & Oregon

Waffennarren, Schnee und Leuchttürme

Am Anfang stand das gute Essen – sei es nun am Pike Public Market in Seattle oder an den unzähligen hervorragenden Food-Wagen in Portland. Und dann war da die Natur, die sich von Stunde zu Stunde, ja manchmal gar von Kilometer zu Kilometer virtuos verwandelte. Vom küstennahen kühl-windigen Dunst, zur 36-grädigen Halbwüste, zum frühlingshaften Bergwetter mit etlichem Restschnee.

Unsere Route durch dieses Naturschauspiel wird immer wieder unterbrochen durch Besuche bei Amerikanern (aka AirBnB). Die Themen wiederholen sich: Waffen, Wahlen, Terrorisnus. Dabei merken wir, wie tief gespalten das Volk ist. Zwei junge Portländer können nicht verstehen, wie man Trump wählen, Waffen besitzen und Ausländer vorverurteilen kann. Die Leute, die wir auf dem Land treffen, finden Trumps Idee von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko geradezu brilliant und der Besitz von Waffen ist für sie selbstverständlich. Ein Gastgeber gibt zwar nicht explizit zu, dass er welche im Haus hat, sagt aber zufrieden: „You can feel very safe in this house.“ Eines anderen Tochter machte gerade ein Auslandssemester in Wien, als immer mehr Flüchtlinge nach Europa strömten: „You know, I was so terrified by those terrorists that I told her to immediately come back.“ Ein grosses Kompliment an dieser Stelle an euch alle, die ihr noch nicht aus Europa geflüchtet seid.

Fazit: Die amerikanische Kultur und Denkweise hat sich für uns bis jetzt nicht vollständig erschlossen. Aber eines scheint für uns klarer als zuvor: Die Amis sind keine zivilisatorischen oder kulturellen Leuchttürme – die haben wir nur an der Küste gefunden, dort dafür umso grössere und schönere.

Die Leuchttürme, noch viel mehr aber die Natur, die sich einmal in den sanften Pastelfarben von Wüstenblumen, dann wieder stürmisch im Rauschen der Meeresbrandung oder eines wilden Bergbaches und ein anderes Mal im jungfräulichen Weiss schneebedeckter Berggipfel zeigte, versetzte uns in Staunen.

Quasi der Höhepunkt folgte ganz am Ende unserer 10 Tage in Washington und Oregon: Als wir über den Kraterrand eines erloschenen Vulkanes fahren und sich uns der Blick auf den Crater Lake öffnet, erstarren wir vor Staunen und Ehrfurcht. Noch nie in unserem Leben haben wir einen so tiefblauen See gesehen, fast wie ein Juwel mutet er an. Tags darauf wollen wir eigentlich nur einen kleinen Spaziergang machen, landen dann aber an einem glasklaren Bergstrom, der sich rasant zwischen riesigen Felsbrocken hindurch zwängt und von stiebenden Wasserfällen umgeben wird. – Orte, an denen wir so richtig die Seele baumeln lassen und zur Ruhe kommen können.