Saigon & Mekong-Delta

Ganz nah dran an Land und Leuten

Nur abseits der ausgetrampelten Touristenpfade lernt man ein Land und seine Kultur richtig kennen. Diesen Grundsatz nahmen wir uns zu Herzen. Saigon und das Mekong-Delta erkundeten wir zu einem grossen Teil weit entfernt der normalen Touristrnrouten.

Was wir dabei alles entdeckten und welchen Menschen wir begegneten fasziniert uns noch immer. In Saigon, der fibrierenden Metropole Vietnams unternahmen wir auf dem Rücksitz der Motorräder zweier Studenten eine Streetfood-Tour. Wir tauchten ein in die vietnamesische Kultur des total unkomplizierten, extrem günstigen, sehr vielseitigen und ausgesprochen guten Auswärts-Essens auf den Strassen. Wie in allen vietnamesischen Städten gibt’s auch in Saigon an jeder Ecke ein paar Kochtöpfe auf dem Asphalt, einen winzigen Verkaufsstand oder einen kleinen Grill. Sie alle bieten meist nur ein, zwei lokale Spezialitäten an, aber wenn man sich Zeit nimmt und von einem Restaurant zum nächsten zieht, gibt es nichts besseres. So kosten wir an diesem Abend unter anderem vietnamesisches Omelette und lokale Pizza, beides aus Reispapier gemacht, ein besonderes Baguette, feine Muscheln, exotische Früchte und einiges mehr. Dabei sitzen wir auf viel zu kleinen Plastik-Stühlchen und müssen die Füsse einziehen, damit die vorbeirauschenden Mopeds sie nicht überfahren.

Doch das Beste sind unsere beiden studentischen Guides, Hung und Sophie. Während den Mopedfahrten und dem Essen bleibt viel Zeit zum Austauschen. Wir erfahren so einiges über das Leben ganz gewöhnlicher junger Vietnamesen. Etwa über ihr Bildungssystem, ihren Blick auf die Geschichte, die alltägliche Koruption und ihre Zukunftsträume – darunter jenen, einmal im Leben Schnee zu berühren. Wir geniessen den Abend kulinarisch und beziehungsmässig in vollen Zügen und merken erst zurück im Hotel, dass die Tour viel länger dauerte, als eigentlich geplant.

Auch durchs Mekong-Delta entscheiden wir uns für eine Route, die kaum jemand wählt. Zugute kommt uns, dass wir die beiden einzigen Gäste auf der gebuchten Tour sind und deshalb den Guide, Jung, und den Fahrer ganz für uns haben.

Nach einer kurzen Bootsfahrt landen wir auf einer Insel mitten im Mekong-Delta. Die Bewohner betreiben fast ausschliesslich Landwirtdchaft und das kleine Inselsträsschen, das sich zwischen und unter exotischen Obstbäumen seinen Weg bahnt, bietet gerade genug Platz für Mopeds und Velos. Auch wir erkunden die Insel so und werden dabei von den Kindern herzlich begrüsst, ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie nur selten Touristen zu Auge bekommen. Bei einer alten Frau lernen wir, wie man über dem offenen Feuer eine besondere Art Reispapier macht, das, in Soja-Sauce getuncht, zu unserer Leibspeise wird. Zurück auf dem Boot geniessen wir zu zweit ein wunderbares lokales Mittagessen, nur für uns zubereitet. Frisch gestärkt besuchen wir am Nachmittag einen grossen regionalen Markt. Unser Guide zeigt uns Früchte, Gemüse und Lebewesen, die wir in dieser Form noch nie gesehen haben – etwa Mäusefleisch, riesigen Kröten und alles, was der Mekong hergibt. Auch hier erspähen wir keine anderen Touristen, was gleichbedeutend damit ist, dass die Marktständebetreiber und Kinder gerne für unsere Fotos posieren. So zu fotografieren und gleichzeitig mit Lokalen in Kontakt zu kommen, ist immer wieder eines unserer Reise-Highlights.

Es ist dieses Eintauchen ins Leben dieser ganz normalen Menschen, die unsere Erinnerungen an Vietnam vor allem prägen werden. Viel mehr, als einige prunkvolle Bauten oder schönen Landschaften. So sind wir beinahe schon etwas wehmütig, als wir mit dem Schnellboot, dem Lauf des mächtigrn Mekongs folgend, Vietnam hinter uns lassen und unsere Reise nach Kambodscha fortsetzen.