Pokhara

Keine Cola, aber immer ein freundliches Lächeln

Tausende von steilen Stufen müssen es gewesen sein, die wir ins kleine Bergdorf Dhampus empor gestiegen sind – weg vom hektischen Grossstadttreiben in Pokhara, dem Ausgangspunkt für so manches Trekking. Der Weg führt uns durch riesige Rhododendron-Wälder (die leider noch nicht blühen) und die berühmten terassierten Reis- und Getreidefelder. Wir sehen Bauern, die, als ob die Zeit hier stehen geblieben wäre, zwei Ochsen vor ein hölzerne Pflugschare gespannt, ihre Felder bestellen. Frauen und sogar Kinder tragen in Körben, die sie mit einem Riemen auf der Stirn befestigen, riesige Lasten die Berghänge empor. Im Angesicht des mächtigen Annapurna-Massivs, das wir aufgrund der vielen Wolken nur sehr spärlich erblicken, erreichen wir unser Nachtlager. Ein kleines, im traditionellen Stil erbautes Haus mit Schnitzereien verziehrt.

Zum Essen gibt’s die typisch nepalesischen Teigtaschen Momo (das Pendant zu den besser bekannten chinesischen Dim Sum). Bald wird aus dem Nachtessen ein Candellight-Dinner, denn Strom gibt’s hier genau gleich wie im ganzen Land nur selten. Eigentlich würde ich dazu eine Cola trinken, die es ja bekanntlich immer und überall gibt. Nicht so hier. Denn seit Indien Handelssanktionen wegen unterschiedlicher politischer Ansichten verhängt hat, ist das Leben im sowieso bereits leidgeplagten Land noch schwieriger geworden. Wenn’s dann irgendwo doch noch eine Cola gibt, kostet sie mehr als in der Schweiz. Zum Tanken stehen die Leute schon einmal drei bis vier Tage an. So oder so: Unser Abend in Dhampus, dem ersten Nachtlager auf dem Weg auf den Annapurna-Gipfel, ist ein Erlebnis, auch ohne Cola. Denn wir erleben hautnah nepalesische Gastfreundschaft. Alle sind freundlich zu uns, viele freuen sich, wenn wir ihnen erzählen, dass wir aus der Schweiz kommen, einem Land, in dem es genau gleich wie in Nepal viele Berge gibt. Als wir gerade zu Bett gehen wollen, setzt sich eine Nepalesin zu uns ans Feuer. Sie ist eine von vielen, die nur zu Besuch hier sind. Seit langem lebt sie schon in London. «Viele verlassen das Land, weil es hier keine Perspektiven gibt», sagt sie. Und trotzdem sind die Leute, gerade die Kinder, stets freundlich und hilfsbereit.

Am nächsten Tag wandern wir noch etwas weiter und werden dann von einem Taxi abgeholt. Es bringt uns auf dem Highway No. 1, einer der grössten Haupstrassen, zurück nach Pokhara. Immer wieder gehts auf diesem Weg nur im Schritttempo voran: einmal fehlt ein Stück Strasse, einmal hat’s riesige Schlaglöcher, einmal liegt eine Kuh auf der Strasse, einmal muss man um eine hunderte Meter lange Kolonne von vor einer geschlossenen Tankstelle wartenden Lastwagen herumzirkeln. Es ist ein Land mit scheinbar wenig Perspektiven und ohne Cola, aber mit einer grossen Warmherzigkeit und überwältigender Natur, das wir so schätzen lernen.