People of Africa

Eine andere Welt

Seit bald zwei Monaten reisen wir in Afrika umher. Wir wollten die Kultur, das afrikanische Wesen besser verstehen. Doch was bleibt, ist ein noch grösseres Unverständnis denn zuvor. Wir nächtigen in schönen Hotels, die oft auch etwas für die lokale Bevölkerung tun – Brunnen und Schulen bauen und natürlich einigen ein Auskommen sichern. Wir hören von «fantastischen Hilfsprojekten» von Kirchen, in denen Hunderte von armen Kindern an Camps oder Veranstaltungen teilnehmen – kostenlos und Essen inklusive.

Und dann sehen und hören wir die andere Seite. Wir besuchen ein namibisches Dorf. Die Leute lungern herum, tun nichts. Sie sind stolz darauf, immer noch auf den gleichen primitiven Betten zu schlafen wie vor hunderten von Jahren. Oder darauf, immer noch auf einem kleinen Feuer mit improvisierten Blasbalgen betrieben Eisen zu bearbeiten, wie andernorts vor 5’000 Jahren. Ein Insider, ein seit 25 Jahren unter den Zulus lebender Missionar, der die Menschen von Herzen liebt, bringt unsere Wahrnehmung auf den Punkt: «Wenn du ihnen eine Schule mit Stühlen und Tischen baust, werden sie alles zertrümmern und verfeuern, bis sie wieder auf dem Boden sitzen. Sie leben am liebsten so einfach wie eh und je. Auch wenn es bedeutet, dass sie arm sind.»

So haben wir etliche spannende Begegnungen mit Schwarzen, einige lernen wir sehr zu schätzen. Und trotzdem verstehen wir ihre Mentalität weniger denn je. Ist es nun gut, in Hotels zu übernachten, die einen so krassen Kontrast zum lokal-traditionellen Umfeld darstellen? Vielerorts sind es fast die einzigen Jobs überhaupt. Es bleibt das flaue Gefühl zurück, dass wir die Afrikaner und damit auch Afrika sich selbst überlassen sollten. Vielleicht wären sie auf diese Weise am glücklichsten!