New York

Eine verrückte Stadt

Dicht gedrängt stehen wir am Times Square und es ist taghell. Aber nicht etwa weil die Sonne scheinen würde. Im Gegenteil. Es ist mitten in der Nacht (wir kommen gerade aus der Broadway-Show «Les Misérables») und die vielen Leuchtreklamen um uns herum erleuchten den weltbekannten Platz. Eine Werbung nach der anderen läuft in HD über die Screens und preist Kleiderlabels, Gadgets und Fastfood an. Reizüberflutung pur.

Wir gehen ein paar Schritte, um dem Touristen-Getümmel etwas zu entkommen. Vorbei an den zwei Frauen, die abgesehen von einem String und etwas Body-Paint nackt sind. So verrückt das auch klingt, entblösst mitten auf dem Times Square zu stehen, so banal kommt es hier einem vor. Denn in wenigen Minuten wird man dem ebenfalls halbnackten Gitarrenspieler begegnen. Nur um danach kurz anzuhalten und sich über den Transvestit zu wundern, der laut singend den Gehweg zu seinem Catwalk erklärt hat und unermüdlich sein vermeintliches Model-Talent zur Schau stellt.

Eine verrückte Stadt. Eine glamouröse Stadt. Eine Stadt, die einem zerbricht. Das erzählt uns ein Ehepaar, das in New York als Pastoren arbeitet. «New Yorker nehmen dich nicht erst, wenn du nicht mindestens fünf Jahre in der Stadt gelebt hast. Du weisst sonst nicht, wie hart das Leben hier ist. Die Stadt zerbricht dich. Alles ist anstrengend. Arbeiten, Kinder erziehen, Einkaufen. Alles.»

Auch wir sind nach vier Tagen im Big Apple müde. Müde vom Jet-Lag und den unzähligen Kilometern, die wir zu Fuss zurückgelegt haben. Aber wir sind auch zufrieden und glücklich. Weil wir seit langem wieder einmal Campus-Freunde aus der Schweiz getroffen haben und das bei uns ein Gefühl von Heimat hinterlassen hat. Und weil wir viele spannende und schöne Erinnerungen in unseren Reise-Rucksack packen können. Zum Beispiel die andächtigen Momente im 9/11-Memorial-Museum, unser letzte Abend im Jazz-Club oder die schönen Sonnenuntergänge über der Skyline.