Neuseeland – Nordinsel Ostküste

Krieg und Frieden

Furchteinflössend, verängstigend, kriegerisch – mit heraushängenden Zungen, verstörend verdrehten Augen und martialischem Geschrei stehen sie vor uns, die gestandenen Maori-Krieger bei ihrem traditionellen Haka-Kriegstanz. Was für uns Teil eines durchgeplanten Touristenabends ist, verängstigte einst den ersten Weissen, der Neuseeland erblickte, Abel Tasman, so sehr, dass er das Land nicht betrat. Und noch heute schüchtert das heimische Rugby-Team, die All Blacks, damit ihre Gegner ein.

Für uns ist es nur eine Show und doch gibt sie einen Einblick ins Leben dieser Ureinwohner, die im modernen Neuseeland gleichberechtigt und respektiert neben den Weissen leben. So lernen wir, dass Neuseeland erst vor ca. 1’000 Jahren mit primitiven Kanus von Hawaii aus besiedelt wurde. Und dass die Maori die Erfinder des Tattoos sind – ouchh! Noch heute nennen sie die beiden Inseln stolz Aotearoa, Land der langen weissen Wolke, denn so wirkte es auf sie, als sie es zum ersten Mal sichteten.

Trotzdem: Das Highlight an diesem Abend gehört nicht zur eigentlichen Show. Es ist die Carfahrt dorthin. Oder besser gesagt der Car-Fahrer, ebenfalls ein waschechter Maori. Auf dem Hinweg begrüsst er die Passagiere in 61 Sprachen. Seine Satire – sie dreht sich vor allem um Rugby und all die «Mädchen», die Fussball spielen und bei jeder kleinen Schramme heulen – lässt kein Auge trocken. Als wäre das nicht schon genug, stimmt er auf dem Rückweg 16 Nationalhymnen an. Mit dem Bus brettert er gefühlte zehn Mal um einen Verkehrskreisel, fast wird einem dabei schwindlig. Auf jeden Fall bleibt Mark für uns in bester Erinnerung.

Durch das aktive Vulkangebiet von Taupo und Rotorua steuerten wir nach 25 Tagen wieder auf Auckland zu. Mystisch muteten die Geysire, heissen Flüsse und dampfenden Schlamm-Pfannen an. Schön war das Baden in den natürlichen Thermalbädern. Irgendwie kriegerisch, wie an diesem Ort das Erdinnere so offensichtlich und unmittelbar hervortritt. Einfach einzigartig.

Je länger unsere Camper-Reise dauerte, desto ambivalenter wurden wir auch. Einerseits erfasste uns eine fast nostalgische Sehnsucht nach den vertraut gewordenen, engen vier Camper-Wänden. Andererseits freuten wir uns auch mit jedem der am Ende 4’767 Kilometer mehr darauf, bis wir wieder mehr Platz, frische Bettwäsche und vor allem mehr Zuverlässigkeit hatten. Denn mit dem Ende unserer Rundreise schien sich auch das Leben unseres Campervans immer mehr dem Ende zuzuneigen – jeder zusätzliche Kilometer schien zu einem Kampf zu werden. Die externe Stromzufuhr funktionierte von Beginn weg nicht richtig, ein Steinschlag-Loch in der Frontscheibe, ausgeleierte Scheibenwischer, ein plötzlich hyperaktiv-flackernder Blinker und immer lauter werdende Motorengeräusche trugen das Übrige dazu bei, dass wir ganz schön froh waren, als wir das Gefährt zurückgeben konnten und der gestresste Mitarbeiter beim Autoverleih nur «no problem» sagte, nachdem wir die Mängel- und Schadenliste vorgetragen hatten. Natürlich holte uns bereits am Flughafen Wehmut ein. Denn dieses wunderschöne Land hätte noch so viel mehr zu bieten gehabt, hätten wir mehr Zeit gehabt – und hätte es nicht ständig geregnet 😉