Kalifornien

Ohne Worte

Staunend. So blieben wir während unserer Reise schon oft zurück – und etliche Male haben wir auch bereits darüber berichtet. Doch was wir an diesem 5. Juli um 22 Uhr zu entdecken begannen, übertraf das alles.

Mehr zufällig machen wir noch einen allerletzten Fotostop, um das letzte Abendrot über dem berühmten Half Dome-Berg (dem Standard-Bildschirmhintergrund auf jedem Apple Mac) im Yosemite-Nationalpark einzufangen. Sofort fallen uns rund fünf weitere Fotografen auf, die in Erwartung von was auch immer ihre Stative positioniert haben. Bald darauf gehören wir zu ihnen und warten zwei Stunden auf eine volkommen wolkenlose Leermond-Nacht an einem der dunkelsten Orte Amerikas.

Langsam erscheinen sie, die ersten Sterne, dann immer mehr. Bis wir schlussendlich die ganze Milchstrasse, Sternennebel, Galaxien sehen – beinahe glauben, sie anfassen zu können, so klar und nahe scheinen sie. Die Macht und Schönheit dieser Schöpfung zu begreifen, gelingt uns nicht sofort, zu überwältigend ist sie. Erst beim wiederholten Betrachten der Fotos, beim Schreiben dieses Blogs erkennen wir immer mehr, wie unfassbar das ist, was wir da gesehen haben.

Wiederum ist es auch in Kalifornien die Natur, die uns in Atem hält: Die riesigen bis zu 8.5 Meter dicken und 100 Meter hohen Bäume in den Redwood-Wäldern, die selbst unser Auto wie ein Spielzeug wirken lassen; die winzigen Kolibris, die wir im Botanischen Garten in San Francisco aufspüren; der kleine und tappsige Schwarzbär, der vor unserer Nase die Strasse quert; die mächtigen Berge, die Elche, Hirschen – ja, sogar das Stinktier, welches in unsere Unterkunft in L.A. unser Nachbar ist.

Und es ist die Bethel Church in Redding, die wir besuchen (Dieser Abschnitt ist jetzt wirklich nur für Interessierte ;-)). Kaum betreten wir an diesem Sonntag den Gottesdienst-Saal, fühlen wir uns – geistlich gesprochen – zuhause. Der Lobreis, die Predigt, die Atmosphäre. Sie sind kräftig und kraftvoll, einfach und doch tief, liebend und doch deutlich. Von der ersten Minute an spüren wir Gottes Heiligen Geist und in vielerlei Hinsicht lässt er uns seit dann nicht mehr los. Was wir erleben, ist eine Mega-Church. Eine Kirche, die weltbekannt ist für ihre Musik und ihre Prediger. Eine Kirche, die bei allem Ruhm demütig geblieben ist und sich nichts mehr wünscht, als dass Menschen Gottes-Begegnungen haben. Und genau das haben wir.

Natürlich: Wir sehen die weltberühmte Golden Gate Bridge, geniessen hervorragendes Essen im hippen San Francisco, fahren auf der legendären Route No. 1 der Küste entlang gen Süden. Wir suchen die Sterne unserer Lieblingsschauspieler (PS: Orlando Bloom für Vivi und Kevin Spacey für mich) am Hollywood Walk of Fame. Ja, wir sehen sogar aus unserem rustikalen, 1927 erbauten Baumhaus-Appartment direkt aufs Hollywood-Signet. Und trotzdem sind es nach mehr als 2’500 zurückgelegten Kilometern nur zwei Dinge, die uns ohne Worte zurücklassen: Gottes überwältigende Schöpfung und die Gegenwart seines Heiligen Geistes.