Israel

Steine, Krieg und Offenheit

Israel, das sind in erster Linie eine unendliche Menge Steine. Nicht nur in Form der Negev- und Judäa-Wüsten, sondern auch in Form von neuzeitlichen, mittelalterlichen, griechischen, römischen und biblischen Ruinen und Ausgrabungen.

Natürlich waren wir vor allem hier, um uns an die Fersen von Jesus zu heften, besuchten die Ruinen des Fischerdorfes Kapernaum, die Klagemauer in Jerusalem, den vermuteten Geburts-Stall in Bethlehem und viele andere Stationen seines Wirkens. Diese Orte mögen spirituell sowie in Bezug auf die heutigen religiösen Spannungen im Land eine riesige Bedeutung haben. Doch bezüglich Dimension und Erhaltung waren einige weitere Ruinen umso eindrücklicher. So etwa das Jerusalem König Davids, wo wir unter den heutigen Häusern während 30 Minuten durch einen 3’000 jährigen Wasserkanal waten konnten. Oder Akko, eine riesige Kreuzritterstadt, die von den muslimischen Eroberern komplett zugeschüttet wurde, um eine Rückeroberung zu verunmöglichen, und sich heute weitgehend intakt unter der modernen Stadt befindet. Oder Massada, eine riesige Festung auf einem Felssporn, von den letzten freien Juden als Trutzburg gegen die römische Besatzung genutzt.

Was uns ebenfalls schnell auffiel: Die meisten Juden sind ein garstiger Schlag Menschen. Nicht besonders freundlich, etwas unsauber und mieserable Autofahrer. Ihre Verschrobenheit mag verschiedene Gründe haben, aber dreien begegneten wir ganz konkret. Es scheint, als wären die Israeli etwas rau, weil sie nach wie vor wie kaum ein anderes Volk existentiell durch ihre Feinde bedroht werden. Jeder hat schon viele einschlagende Raketen gesehen, einige erlebten Selbstmordanschläge mit, wieder andere nahmen an Kampfeinsätzen teil. Uns scheint, als lasse dies eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber weniger wesentlichen Dingen zu.

Und dann ist da noch die Religion. Es schien uns, als sehe sich das Volk als etwas Besseres, das «auserwählte Volk» der Bibel. Auch wir glauben das und doch sind wir überzeugt, dass sich kein Volk, keine Kultur und auch keine Religion über andere erheben sollte. Legen wir diesen etwas philosophischen Gedanken zur Seite, bleibt’s einfach so, dass es nicht einfach ist, sich in Israel willkommen zu fühlen.

Am unglaublichsten fanden wir aber die Begründung eines Zionisten für die fehlende Freundlichkeit seines Volkes: «Ihr müsst verstehen, dass wir Juden seit jeher verfolgt und gedemütigt worden sind. Immer ist die Mehrheit gegen uns! So haben wir eine harte Schale entwickelt.» Ganz sicher massen wir uns keine Wertung der geschehen Schicksalsschläge der Juden an. Aber schade ist es trotzdem, dass man die eigene Unfreundlichkeit durch vergangenes Leid zu rechtfertigen versucht.

Es wäre nicht unser Blog und erst recht nicht unsere Art, diesen Beitrag so zu beenden. Vielmehr gab es auch etliche Begegnungen, die uns positiv in Erinnerung bleiben werden. Allen voran mit jungen Israeli, die bereits in die Zukunft aufgebrochen sind. Aber auch, und das war für uns schon beinahe unfassbar, mit einem Ehepaar orthodoxer Juden, bei denen wir übernachteten. Sich selbst bezeichnen sie als «moderne Orthodoxe». Ihr Ziel ist es, ihr orthodoxes, streng gesetzliches Glaubensverständnis mit der heutigen Zeit in Einklang zu bringen. Zwei Stunden diskutierten wir mit ihnen an diesem warmen Abend in der Wüste ausgelassen über ihr Glaubensverständnis, Israel – und über unseren eigenen Glauben. Immer auf der Hut, nicht zu forsch etwas Unangepasstes zu sagen, sprachen wir viel über Gott und unseren Glauben an ihn, ohne aber Jesus zu erwähnen. Umso erstaunter waren wir, als sie uns danach fragten und wir in ein angeregtes Gespräch über die Vergebung und Erlösung, die wir durch ihn haben, gerieten. Noch mehr berührten uns ihre Abschiedsworte am nächsten Tag: «Wir haben noch lange über das gesprochen, was ihr gestern über euren Glauben gesagt hat. Es ist schön, Christen zu kennen, die uns durch ihren Glauben inspiriert haben.»

So werden wir wohl kaum so bald wieder nach Israel reisen, doch wir wünschen dem Land von Herzen, dass jene Stimmen sich erheben, die hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und die durch ihre Offenheit dringend benötigte Brücken bauen.