Bangkok

verrückte Zivilisation

Man könnte sagen, dass sie ein Schock war. Unsere Ankunft in Bangkok. Es war Freitagabend, Hochbetrieb an der Khaosan Road. Wir steigen aus dem Taxi und neben der Hitze schlagen uns unzählige Gerüche, Geräusche und Bilder entgegen. Da ist diese grotesk geschminkte und verkleidete Person – ob es ein Mann oder eine Frau ist, lässt sich schwer sagen –, die irgendwo an einer Strassenecke komische Verrenkungen zu asiatischer Musik aus dem Ghettoblaster macht. Wir treffen auf frittierte Vogelspinne und Skorpione am Spiess (richtig eklig finde ich das erst, als ich begreife, dass sie gar nicht aus Plastik sind, sondern echt!). Von den Maden und Würmern ganz zu schweigen. Alle zweihundert Meter wird Lukas entweder eine Ping-Pong-Show, Striptease oder ähnliches angeboten. Und trotzdem ruft mein Herz im Innersten freudig: Zivilisation! Endlich funktionieren Toiletten-Spülungen wieder, die Strassen sind beleuchtet, den meisten Street-Food kann man bedenkenlos essen, Restaurants haben länger als bis um 21:00 Uhr geöffnet und als wir schon einige Stunden in der Stadt sind, wundern wir uns immer noch darüber, dass der Strom noch nie ausgefallen ist.

Doch nicht nur das wilde Nachtleben der einschlägig bekannten Khaosan Road versetzt uns während unserer Tage in Bangkok in Staunen. Die überreich verzierten Tempelanlagen mit den dazugehörigen sorgfältig gemalten Wandbilder haben unsere vollste Bewunderung. In den alten Kanälen der Stadt wundern wir uns dafür vielmehr. Darüber dass die Stadt eher aussieht wie nach einer Jahrhundert-Überschwemmung und weniger wie das romantische Venedig – womit es Reiseführer gerne vergleichen.

Jede Mahlzeit ist zudem nicht nur eine kulinarische, sondern auch eine kulturelle Entdeckungsreise. Über Tischnachbarn am Weekend-Market Chakranuk lassen sich die abenteuerlichsten Geschichten ausdenken. Vom amerikanischen Junggesellen, der sich ein thailändisches Mädchen angelacht hat bis zum das italienische Paar, das einen Schuljungen adoptiert hat, mit dem sie kein Wort sprechen können, ist alles dabei.

Nicht zuletzt gönnen wir uns natürlich eine Massage, irgendwo mitten auf der Strasse im Rattamburi-Viertel. Dabei erholen wir uns von den marktschreienden Taxi- und Tuktuk-Fahrern, die es letztendlich alle auf die Scheine in unserer Brieftasche abgesehen haben. Genauso wie die falschen Touristen-Führer übrigens, die einem neben der billigen Tour eigentlich nur einen Schneider aufhalsen wollen. Hand aufs Herz – auch wir sind einem auf den Leim gegangen. Aber Kleider lassen wir uns trotzdem erst in Vietnam schneidern.